Pleasurable Troublemaker im Deutschen Museum

 

Das Deutsche Museum widmet sich in seiner Sonderausstellung „energie.wenden“ der großen Herausforderung einer umweltverträglichen, wirtschaftlichen und sicheren Bereitstellung von Energie. Zwei unserer Pleasurable Troublemaker wurden von den Kuratoren für die Ausstellung ausgewählt.

Deutschland hat sich seit 2011 mit der „Energiewende“ diesem Wandel verschrieben. Neben der Politik, kann auch jeder einzelne seinen Beitrag zur Energiewende und einem umweltverträglichen Umgang mit Ressourcen leisten. Dieser Beitrag fängt im Alltag an. Licht beispielsweise unnötig brennen zu lassen oder Geräte in den Stand-by Modus zu schalten sind kleine, alltägliche Schritte, hin zu einem ressourcenschonenden Lebensalltag. Doch genau diese Schritte sind nicht immer einfach, da Menschen gewohnte Handlungsweisen überdenken und verändern müssen. Seit mehreren Jahren beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit der Veränderung von Handlungsweisen mit Hilfe von Technologie.

Die Arbeitsgruppe Experience & Interaction Design freut sich, dass die „Kleine Raupe Immersatt“ und „Vergissmeinnicht II“ ab dem 15. Februar im Deutschen Museum zu erleben sind. Im Anschluss wird die Wanderausstellung in internationalen Museen gezeigt.

 Matthias Laschke

Matthias Laschke

 

 

VergissMeinNicht II

by Matthias Laschke & Marc Hassenzahl

Vergissmeinnicht ist eine Leseleuchte. Nach dem Einschalten bewegt sich das Leuchtmittel langsam zurück in den Leuchtenkörper und dimmt ihr Licht runter. Durch das Berühren des Leuchtenkörpers bewegt sich das Leuchtmittel wieder heraus und Vergissmeinnicht leuchtet wieder mit voller Kraft. Die Leuchte verkörpert dabei eine einfache Strategie „Hat man Licht eingeschaltet, sollte man ab und zu darüber nachdenken, ob man das Licht weiterhin benötigt oder es ausschalten kann“. Diese Strategie kann auch in anderen Kontexten angewand werden. Der Nutzer soll über limitierte Ressourcen und ihren angemessenen Gebrauch reflektieren. Die Leuchte ist gezielt als Leseleuchte gestaltet, da sie damit einen angemessenen Kontext bietet. Ein identischer Mechanismus wäre bei einer Hauptbeleuchtung eher nervend.

 

 

Die Kleine Raupe Immersatt

BY MATTHIAS LASCHKE & MARC HASSENZAHL

Das übergeordnete Ziel der Raupe ist das Einsparen von Strom. Studien schätzen, dass etwa 26 bis 36 Prozent des Energieverbrauchs in Haushalten auf individuelles Verhalten zurückzuführen ist. Die Raupe setzt an dieser Stelle an und versucht seinen Nutzern dabei zu helfen, ihrem Ziel weniger Strom zu verbrauchen, näher zu kommen.

Die kleine Raupe Immersatt verkörpert eine einfache Strategie zum Stromsparen. Die einfache Strategie, die sie materialisiert, lautet: „Anstelle Geräte unnötigerweise in den stromverschwendenden Stand-by Modus zu schalten, schaltet man sie besser vollständig aus.“. Die Raupe hilft einem diese einfache Praktik im Alltag zu berücksichtigen und in Handlungsweisen zu übersetzen. In Deutschland verbrauchen Geräte im Stand-by Modus mindestens 20 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr (Umweltbundesamt Deutschland, 2008). Mit dieser Menge Strom könnte man den gesamten Strombedarf Deutschlands für ca. 57 Tage decken. Es handelt sich somit um eine große Menge Energie, die durch individuelles Verhalten verringert werden kann. Die Raupe ist ein Verlängerungskabel, das zwischen Steckdose und Verbraucher (oder Mehrfachstecker) platziert wird. Die Raupe hat drei verschiedene Modi: Bei normalem Stromverbrauch (z.B. wenn der Fernseher eingeschaltet ist) atmet sie (d.h. bewegt sich) langsam und gleichmäßig. Wird das angeschlossene Gerät in den Stand-by Modus geschaltet, beginnt die Raupe sich zu winden und arrhythmisch zu bewegen, als würde sie Schmerzen leiden. Die Raupe greift dabei das menschliche Bedürfnis auf, sich um lebendige Dinge zu kümmern und ihnen zu helfen. Zusätzlich soll mit Hilfe des kleinen „lebendigen“ Objekts in den eigenen vier Wänden eine konkrete Verbindung zu den sonst abstrakten Folgen der Energieverschwendung für die Umwelt geschaffen werden. Die „Schmerzen“ der Raupe können nur beendet werden, indem man das Gerät im Stand-By Modus vollständig ausschaltet. Wer der Raupe einen Gefallen tut, tut auch der Umwelt einen.

 

 
 

energie.wenden
15. Februar 2017 - 19. August 2018
Sonderausstellungsraum, Ebene 1

Deutsches Museum
Museumsinsel 1
80538 München