Robot Design Fiction Workshop

 

Am 09.04.2021 fand unser halbtägiger Online-Workshop im Forschungsprojekt GINA zum Thema „Robot Design Fiction“ statt. Gemeinsam mit Projektbeteiligten der Fördermaßnahme, Mitarbeiter*innen der Universität Siegen und der Hochschule Düsseldorf sowie externen Rollenspieler*innen wurden vier verschiedene Zukunftsvisionen einer Welt mit Robotern betrachtet. Die Visionen wurden im Vorfeld in Zusammenarbeit mit den Projektbeteiligten von vier Roboterprojekten entwickelt und basieren auf deren Vorstellungen über ihre im Projekt entwickelten Roboter im Jahr 2045. In dem Workshop wurde gemeinsam mit den Teilnehmer*innen spekuliert, diskutiert und enacted, in welcher Welt wir leben würden, wenn diese möglichen Roboter im Alltag der Menschen angekommen wären. Welche Stakeholder sind in dieser zukünftigen Welt involviert? Welche unterschiedlichen Gefühle, Reaktionen, Meinungen und Erlebnisse könnten entstehen? Welche gesellschaftlichen Konsequenzen (positive oder negative) oder Konflikte treten möglicherweise auf?

Insgesamt nahmen 16 Personen an dem Workshop teil. Zu Beginn fand eine kurze Einführung in die im Workshop genutzte Methode „Design Fiction“ statt. Anschließend bekamen die Teilnehmer*innen Zeit, sich mit Zukunftsszenarios und fiktiven Produktflyern aus dem Jahr 2045 auseinanderzusetzen und Fragen oder Gedanken zu äußern. Für jede der vier Zukunftsvisionen gab es jeweils eine*n Moderator*in, um auf die Fragen und Gedanken der Teilnehmer*innen einzugehen.

Nach dieser freien Explorationsphase fanden sich die Teilnehmer*innen in vier Gruppen zusammen und stellten sich vor, wie das Leben mit einem der vier Roboter aussehen würde. Welche Gefühle, Meinungen und Erlebnisse beschäftigen die Menschen der unterschiedlichen Zukünfte? Die Teilnehmer*innen sammelten Stakeholder, die durch den Roboter in der Zukunftswelt möglicherweise beeinflusst werden könnten oder mit ihm in Kontakt stehen könnten und überlegten sich, welche fiktiven Meinungen oder Einstellungen diese Personen gegenüber den jeweiligen Robotern vertreten und welche Erlebnisse sie direkt oder indirekt mit oder durch den Roboter erlebt haben könnten. Anschließend begaben sich die Gruppenteilnehmer*innen in eine Art „Zukunftsdialog“. Sie nahmen jeweils die Rolle einer fiktiven Person ein, diskutierten miteinander und vertraten so die Interessen zukünftiger Stakeholder. So stellte eine Therapeutin fest, dass durch die lückenlose Übermittlung von Daten durch den Roboter schwierige Alltagssituationen besser in Sitzungen mit dem autistischen Kind analysiert, besprochen und ein deutlich besserer Fortschritt erzielt werden konnte. Ein Vater protestierte hingegen, dass die Entscheidung bei den Kindern liegen sollte, was sie besprechen wollen und was nicht und kritisierte damit die ständige Überwachung und Übermittlung von Emotionsdaten zu therapeutischen Zwecken. In einem anderen Dialog stellte ein Süßigkeitenhersteller fest, dass der Umsatz drastisch zurückgegangen sei, weil die Kunden durch die Roboter keine Spontaneinkäufe mehr tätigten. Eine ältere Person berichtete hingegen, wie dankbar sie den Einkaufsrobotern sei, weil diese für sie schwierige und stressige soziale Situationen übernahmen. Durch die Zukunftsdialoge wurde deutlich, welche gesellschaftlichen Konsequenzen und Konflikte im zukünftigen Zusammenleben mit Robotern auftreten könnten.

Abschließend wurde mit allen Teilnehmer*innen die Methode Design Fiction, das Konzept des Workshops und die Erkenntnisse diskutiert.

Indem deutlich wurde, welche Zukunft wünschenswert sein könnte und welche nicht, konnte antizipiert werden, wie Roboter gestaltet werden müssten, damit sich in 2045 ein möglichst positives Zusammenleben zwischen den unterschiedlichen Stakeholdern und den Robotern entsteht. Der Workshop konnte den Teilnehmer*innen und Veranstalter*innen viele wertvolle Erkenntnisse, Einblicke und Impulse in ethische, soziale und gesellschaftliche Zusammenhänge der Mensch-Roboter-Entwicklung geben. Die Methodik der Design Fiction stieß auf sehr positives Feedback bei den Teilnehmer*innen, und die Themen des Workshops beschäftigten einige auch noch Tage danach.

Wir danken allen Teilnehmer*innen für einen super Workshop!

Ronda Ringfort-Felner M.Sc.