PRAESCO auf der Agile Lean 2026 in München
Am 08. Mai 2026 waren wir mit dem PRAESCO-Konsortium auf der Agile Lean München vertreten und gestalteten dort drei Sessions rund um das Thema hybrides Arbeiten. Mit dabei waren Fabian Biebl, Axel Starke und Anika Dewald von Colenet, Ali Askari (Inclusive Human-Robot Interaction) und Henrik Sellmann (Arbeit, Inklusion & Technologie) von der TU-Dortmund sowie Ronda Ringfort-Felner von der Forschungsgruppe Experience and Interaction Design der Universität Siegen.
Im Mittelpunkt der Sessions standen drei unterschiedliche Perspektiven auf hybrides Arbeiten: das informelle Zusammensein zwischen Meetings, die spielerische Erprobung des im Projekt entwickelten Flow Cubes sowie die Frage, wie Organisationen ihre Hybridfähigkeit reflektieren und weiterentwickeln können.
Session 1: Coffee, Corridors & Clicks – Das hybride Zusammensein zwischen Meetings
In der ersten Session, organisiert von Ronda Ringfort-Felner, ging es um einen Bereich hybrider Arbeit, der oft übersehen wird: die Momente zwischen den eigentlichen Meetings. Während hybride Meetings selbst mittlerweile viel Aufmerksamkeit bekommen, bleiben die Situationen davor, danach oder zwischendurch häufig ungestaltet. Genau dort entstehen jedoch oft wichtige Formen von Zusammenarbeit: ein kurzer Austausch vor dem Termin, ein informelles Nachgespräch, ein spontaner Gedanke in der Kaffeeküche oder ein beiläufiges Gespräch auf dem Flur.
Die Session griff damit den zweiten Use Case im PRAESCO-Projekt auf: spontane Ad-hoc-Kollaboration. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wollten wir herausfinden, was solche Situationen besonders macht, warum sie für Zusammenarbeit wichtig sind und wie sie im hybriden Kontext gestaltet werden können.
Dafür arbeiteten die Teilnehmenden in drei Gruppen, die sich jeweils mit einer konkreten Situation beschäftigten: vor einem Meeting, nach einem Meeting und in informellen Austauschmomenten zwischendurch. Moderiert wurden die Gruppen von Ali Askari, Fabian Biebl und Henrik Sellmann. Zunächst sammelten die Gruppen, was die jeweiligen Situationen auszeichnet und welchen Wert sie sowohl für remote Teilnehmende als auch für Personen vor Ort haben. Darauf aufbauend entwickelten sie erste Ideen, wie solche Begegnungen im hybriden Kontext gestaltet werden könnten.
Anstatt die Ideen nur auf Post-its zu sammeln, wurden sie von den Teilnehmenden direkt mit einfachen Materialien wie Knete, Papier und Pfeifenreinigern materialisiert. So entstanden kleine Objekte und Mini-Prototypen, die unterschiedliche Vorstellungen von hybrider Nähe, informellem Austausch und spontaner Begegnung verkörperten. Die Ideen reichten von gemeinsamen Check-in-Fragen über ein „Mood-Sensor-Match“ bis hin zu einem informellen Always-on-Chat.
Die Session hat noch einmal deutlich gemacht, wie wertvoll gerade diese kurzen, informellen und oft ungeplanten Momente für Zusammenarbeit sind und wie wichtig es ist, sie im hybriden Kontext nicht dem Zufall zu überlassen, sondern aktiv zu gestalten.
Session 2: Hybride Meetings – kann ein kleiner Würfel Engagement und Teilnahme positiv verändern?
In der zweiten Session, organisiert von Henrik Sellmann, stand ein konkretes PRAESCO-Konzept im Mittelpunkt: der Flow Cube.
Um die Idee erlebbar zu machen, wurde gemeinsam mit den Teilnehmenden eine hybride Meetingsituation nachgestellt. Fabian Biebl übernahm die Rolle des Presenters und führte durch ein Thema. Die Teilnehmenden nutzten währenddessen ausgedruckte 3D-Modelle des Flow Cubes, um Rückmeldungen zu geben oder bestimmte Bedürfnisse im Meeting sichtbar zu machen. Da es sich noch nicht um einen voll funktionsfähigen Prototypen handelte, wurden die Eingaben der Teilnehmenden in visuelles Feedback übersetzt, zum Beispiel durch Handgesten.
Diese spielerische Form der Erprobung half dabei, die Nutzung des Flow Cubes greifbarer zu machen. In der anschließenden Reflexion entstanden viele hilfreiche Diskussionen: Wie viel Feedback ist für eine präsentierende Person unterstützend – und ab wann wird es überfordernd? Wie sollten Informationen angezeigt werden, damit sie hilfreich und nicht störend sind? Welche Funktionen braucht ein solcher Würfel wirklich, um hybride Meetings sinnvoll zu verbessern?
Viele dieser Fragen hatten wir bereits im zweiten Co-Design-Workshop mit unseren Panel-Teilnehmenden diskutiert. Die Session auf der Agile Lean München bestätigte einige Aspekte noch einmal und half uns, die aktuelle Entwicklungsrichtung weiter zu schärfen. Damit war die Erprobung ein wertvoller Impuls für die weitere Arbeit am Flow Cube und den weiterführenden explorativen Feldstudien bei PRAESCO.
Session 3: Hybrid Readiness Lab
Die dritte PRAESCO-Session wurde von Ali Askari organisiert und richtete den Blick auf Handlungsempfehlungen für hybrides Arbeiten. Im Mittelpunkt stand der Hybrid-Check: ein Einschätzungstool, das Organisationen dabei unterstützen soll, ihre eigene Hybridfähigkeit zu reflektieren und konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen zu identifizieren.
Der Hybrid-Check betrachtet drei zentrale Dimensionen: Die Hybridfähigkeit von Tools, Kultur und Prozesse. Gemeinsam mit den Teilnehmenden wurde diskutiert, was in diesen Bereichen gut funktioniert, wo typische Stolpersteine liegen und welche „Golden Rules“ oder „Anti-Patterns“ sich daraus ableiten lassen. Dabei ging es unter anderem um den Wert asynchroner Tools im hybriden Arbeitskontext, die Bedeutung einer offenen und wertschätzenden Meetingkultur sowie um Präsenzpflicht als möglichen „Hybrid Killer“.
Zum Abschluss füllten die Teilnehmenden den Hybrid-Check exemplarisch für ihre eigene Organisation oder für Unternehmen aus, die sie beratend begleiten. In der Diskussion waren einige Aspekte für uns besonders erkenntnisreich: Hybride Zusammenarbeit wird in vielen Organisationen derzeit noch nicht selbstverständlich als wertvoll wahrgenommen. Themen wie Sichtbarkeit, Zugehörigkeit oder Karriereentwicklung sind zudem häufig weiterhin stark an Präsenz vor Ort geknüpft. Dadurch entsteht schnell der Impuls, zum Altbekannten zurückzukehren, anstatt hybride Arbeit aktiv weiterzuentwickeln.
Für uns im PRAESCO-Projekt ist diese Beobachtung zentral. Sie zeigt, dass Handlungsempfehlungen nicht nur aus konkreten Tipps und Maßnahmen bestehen können. Bevor Organisationen ihre Hybridfähigkeit verbessern können, müssen sie zunächst verstehen, worin der Mehrwert hybrider Zusammenarbeit liegt und welche Potenziale sie eröffnet. Erst auf dieser Grundlage können Beratungsangebote, Tools und konkrete Maßnahmen sinnvoll ansetzen.
Fazit
Die Agile Lean München 2026 war für uns wieder einmal eine sehr bereichernde Veranstaltung. In den drei Sessions konnten wir zentrale Themen aus dem PRAESCO-Projekt mit Praktiker*innen diskutieren, Konzepte spielerisch erproben und wertvolle Rückmeldungen für unsere weitere Arbeit sammeln.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden für den offenen Austausch, die engagierte Mitarbeit und die vielen inspirierenden Beiträge. Wir freuen uns sehr, dass wir mit PRAESCO Teil der Agile Lean München sein durften.