Zweiter Kreativworkshop im PRAESCO-Projekt: Wie gestaltet man spontane hybride Zusammenarbeit?

 

Wie können Technologien spontane hybride Zusammenarbeit unterstützen? Genau dieser Frage widmet sich der zweite Use Case im Forschungsprojekt PRAESCO. Während im ersten Use Case vor allem die hybride Zusammenarbeit während geplanter Meetings im Mittelpunkt stand, richtet sich der Blick nun stärker auf Situationen davor und danach sowie auf spontane, informelle Begegnungen und Ad-hoc-Kollaboration. Um gemeinsam neue Perspektiven auf diese Herausforderung zu entwickeln, trafen sich am 13. Juli Vertreter*innen des PRAESCO-Konsortiums an der TU-Dortmund. Mit dabei waren Kolleg*innen der Experience & Interaction Design Group der Universität Siegen, des Inclusive Human-Robot Interaction Lab (IHRI) und des Bereichs Arbeit, Inklusion und Technologie (AIT) der TU-Dortmund sowie des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule. Gemeinsam verbrachten wir einen Tag voller kreativer Ideen, intensiver Diskussionen und neuer Perspektiven auf die Zukunft spontaner hybrider Zusammenarbeit.

Den Auftakt bildete eine spekulative Designübung, die den Blick bewusst in die Zukunft richtete. Unter dem Motto Headlines of the Future entwarfen alle Teilnehmenden Zeitungsüberschriften aus dem Jahr 2035. Die entstandenen Schlagzeilen reichten von KI-Wearables, die spontane hybride Zusammenarbeit revolutionieren, über Telepräsenz-Roboter, mit denen sich Menschen jederzeit in ein Büro „beamen“ können, bis hin zu einer Zukunft, in der Seamless Collaboration klassische Meetings ersetzt. Die Übung half dabei, sich zunächst von bestehenden Technologien und heutigen Einschränkungen zu lösen und über wünschenswerte Zukunftsbilder und neue Formen der Zusammenarbeit nachzudenken.

Im Anschluss stellte das Team der Universität Siegen den aktuellen Stand des zweiten Use Cases vor. Gemeinsam reflektierten wir die Erkenntnisse aus den bisherigen Projektaktivitäten – unter anderem aus unserer Session auf der Agile Lean Munich – und diskutierten verwandte Forschungsarbeiten und Designkonzepte aus der Literatur. Dazu gehörten beispielsweise hybride Warteräume, die Begegnungen zwischen Remote- und Vor-Ort-Teilnehmenden bereits vor einem Meeting ermöglichen, oder spielerische Ansätze wie individuell gestaltbare LEGO-Avatare, die Remote-Personen im physischen Raum repräsentieren.

Dabei zeigte sich, dass viele spannende Ideen für hybride Zusammenarbeit bereits existieren – einige davon begleiten die Forschung sogar schon seit den frühen 2000er-Jahren. Umso wichtiger wurde die Frage, welche Herausforderungen bislang ungelöst geblieben sind, wo neue Potenziale liegen und an welchen Stellen wir mit unseren eigenen Konzepten anknüpfen oder bewusst neue Wege einschlagen können.

Besonders intensiv beschäftigte uns eine zentrale Erkenntnis aus der Session auf der Agile Lean Munich: Sobald informelle Zusammenarbeit formalisiert wird, verliert sie häufig genau jene Spontaneität, die sie so wertvoll macht. Wie können technologische Innovationen spontane und informelle Zusammenarbeit unterstützen, ohne sie gleichzeitig zu reglementieren? Wie lassen sich informelle Momente ermöglichen, ohne sie in feste Prozesse zu überführen?

Diese Impulse nahmen wir mit in den Nachmittag. Gemeinsam betrachteten wir die vier bestehenden konzeptionellen Komponenten der Notice-Light-Meet-Plattform kritisch im Hinblick auf den zweiten Use Case und entwickelten Ideen, wie diese erweitert und ergänzt werden können. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie hybride Zusammenarbeit nicht nur während eines Meetings, sondern auch davor, danach und insbesondere in spontanen Ad-hoc-Situationen unterstützt werden kann.

Neben einer Vielzahl neuer Konzeptideen entstanden intensive Diskussionen über grundlegende Gestaltungsfragen, die für die weitere Konzeptentwicklung entscheidend sein werden: Wie lässt sich Informalität unterstützen, ohne sie zu formalisieren? Wie können Technologien Zusammenarbeit vereinfachen, anstatt sie weiter zu verkomplizieren? Und wie können wir über die bloße Nachbildung bestehender Präsenz- oder Remote-Situationen hinausgehen und stattdessen neue hybride Erfahrungen schaffen, die erst durch das Zusammenspiel beider Welten möglich werden?

Mit vielen neuen Ideen, offenen Fragen und wertvollen Impulsen geht es nun in die nächste Phase der Konzeptentwicklung. Wir freuen uns darauf, die entstandenen Ansätze in den kommenden Wochen weiter auszuarbeiten und sie im September gemeinsam mit unserem Co-Design-Panel weiterzuentwickeln, zu schärfen und kritisch zu reflektieren.

Rebecca Gerstenberg

Ronda Ringfort-Felner

 
Ronda Ringfort-Felner